Sprich mit mir! Parle moi! Talk with me! Rozprávaj so mnou! Puhu minulle! Tale med mig!

Europäischer Tag der Sprachen

#Europäischer Tag der Sprachen, 26. September 2014.

Sprache ist Heimat, Identität, Verstehen. Sprache kann verführen, ermutigen, bewegen, zerstören. Wie wir sprechen, trägt dazu bei wie andere uns sehen, macht uns unverwechselbar. Am 26.9.2014 feiert die EU erneut den europäischen Tag der Sprachen. Er soll helfen, unsere sprachliche Vielfalt als kulturelles Erbe zu bewahren, und uns bewusst machen, dass Fremdsprachen lernen zu einem besseren Verständnis zwischen den Kulturen beitragen kann. 2001 initiiert vom Europarat in Straßburg, feiern wir seither europaweit am 26. September den europäischen Tag der Sprachen mit zahlreichen Veranstaltungen. Sprich mit mir! war 2003 eine mit Stickern, Spielen und Videos gestaltete Aktion zum europäischen Tag der Sprachen.

Angesichts der Tatsache, dass wir Europäer mit 225 indigenen Sprachen ein reiches und vielfältiges sprachliches Erbe haben, alles was die EU-Kommission beschliesst von 1750 Sprachexperten in 24 Amtssprachen übersetzt werden muß, ich aber leider nur zwei davon beherrsche, und ständig gefragt werde, ‚Wie hat es denn unterwegs mit der Verständigung geklappt?‘ ist dies ein willkommener Anlass um zu zeigen, wie gelebte Völkerverständigung 3.0 aussehen kann, wie durch wertschätzendes miteinander sprechen aus Klicks und Likes, echte Freundschaften wachsen können.

März 2012. Mulmig war mir zumute, als ich mich 2012 auf den Weg zu den Menschen in Europa machte. Immerhin wollte ich unterwegs spontan mit vorbeieilenden Menschen über ihren Alltag in Europa reden. Und dabei möglichst viel von ihren Freuden und Sorgen verstehen. Leider beherrsche ich nur zwei Fremdsprachen, ein passables Schul-Englisch, und spärliche Überreste eines vor 45 Jahren gut und gerne gelernten, doch wenig gebrauchten, Schul-Französisch. Ob das für spontane Gespräche in 28 EU-Ländern ausreichen wird? Beruhigt hat mich zu erfahren, dass ich immerhin zu der Hälfte unserer Weltbevölkerung gehöre, die angeblich zwei- oder mehrsprachig (bilingual, multlingual) ist, das heißt, dass sie zwei oder mehrere Sprachen Verstehen,  und/oder Schreiben, und/oder Sprechen, können.

Soviel sei schon mal vorweg verraten: Meine Sprachenkenntnisse haben ausgereicht. Und schon nach den ersten Ländern und Begegnungen hatte ich verstanden, worauf es dabei ankommt. Hier drei Reise-Erlebnisse, die zeigen, welche prägenden Eindrücke ich von den Menschen, die mir unterwegs begegnet sind, mit nach Hause nehmen durfte.

Meine Reise zu unseren europäischen Nachbarn hatte ein großes Ziel vor Augen – ich wollte sie besser kennen lernen, verstehen was sie bewegt und den Menschen vor Ort ein gutes Stückchen näher kommen. Und das gelingt am besten, wenn wir einander auf Augenhöhe begegnen, also  interessiert und respektvoll miteinander sprechen. Das bedeutet für mich, zu wissen woher mein Gegenüber kommt, was es prägt und welche Sprache er spricht. Lange vor meiner Reise begann ich also fleissig Bücher von Autoren aus allen 28 EU-Ländern zu lesen, stöberte in Blogs von Einheimischen und in den Mediatheken der Fernsehsender. Für den Fall dass ich unterwegs doch mal jemanden treffen sollte, dessen Sprachen ich nicht spreche, hatte ich ein ‚Erste-Hilfe-Programm für Verständigungsschwierigkeiten‘ in der Tasche. Unter anderem waren das meine Übersetzer-App GTranslate auf meinem Iphone, und mein Plan, andere Menschen im näheren Umfeld einfach spontan zu fragen, ob sie beim Übersetzen kurz helfen könnten und ins Gespräch mit einzubeziehen.

Ioannis Ikonomou, ein 47-jähriger Grieche, spricht 32 Sprachen fliessend. Nein, er ist mir unterwegs leider nicht begegnet. Dieses Sprachgenie arbeitet bei der EU als Übersetzer und beherrscht 21 von 23 EU-Amtssprachen. Auf die Frage eines Reporters, wie es dazu kommt, soviele Sprachen zu beherrschen, antwortete er: „Sprache ist meine Liebe. Und wenn man etwas liebt, will man es verstehen.“ Dem ist nichts hinzuzufügen, wie auch meine nachfolgenden Beispiele aus Sofia, Zagreb und Madrid, zeigen.

Sofia, Bulgarien. Im Park von Sofia treffen sich Nachmittags die Sofioter Männer zum Schach spielen. Mit ihnen will ich unbedingt ins Gespräch kommen. Doch die meist älteren Männer sprachen weder Englisch noch Deutsch. Ich sprach einen vorbei eilenden jungen Mann an, ob er mir mal eben kurz helfen könnte beim Übersetzen. Der junge Mann lachte, nickte und daraus wurden unterhaltsame Stunden im Park von Sofia, in denen jeder von jedem etwas lernen konnte, ohne dessen Sprache zu sprechen.

Zagreb, Kroatien. Früher Vogel fängt den Wurm. Dieser Gedanke lockte mich auf meinen Reisen schon früh am Morgen raus auf die Straßen, stets in der Hoffnung, in der Stille des erwachenden Tages Einheimische zu treffen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Auch an diesem frühen Morgen auf dem Stadtplatz in Zagreb hieß es: Eins, zwei, meins! Zielstrebig steuerte ich auf den ersten Mann, der mit einer Tageszeitung in der Hand um die Ecke bog, zu und sprach ihn an. Kopfnickend, freundlich grinsend, wedelte der alte Mann mit seiner Zeitung, packte mich spontan an meiner Hand, und zog mich quer über den gesamten Zagreber Stadtplatz, vorbei an der Statue des Grafen Josip Jelacic, hinter sich her, bis in ein kleines Lokal in einer Seitenstraße. Dort arbeitete einer seiner Enkel, wie sich dann herausstellte. Und dieser sprach ein perfektes Deutsch, da er gerade drei Lehrjahre in einer österreichischen Konditorei beendet hatte. Es entwickelte sich ein interessantes Gespräch mit zwei Generationen begeisterter Kroaten, von denen sich beide schon sehr auf die damals kurz bevorstehende Mitgliedschaft ihres Heimatlandes in der EU freuten.

Madrid, Spanien. Meine Interviewpartnerin Angeles lebt in Madrid und engagiert sich beruflich für Gendermanagement in Spaniens Unternehmen ein. Sie spricht leider kein Englisch, teilte sie mir vorab mit, und bot mir an, ihre Tochter Aisa, eine junge Bau-Ingenieurin, als Dolmetscherin zu unserem Treffen mitzubringen. Es wurde ein beeindruckender Abend, an dem ich ganz viel lernen durfte. Über gelebte Gleichberechtigung im spanischen Alltag, über Vorurteile am Bau gegenüber Frauen, und über das Zusammenleben der Generationen in spanischen Familien.

Was ich für mich daraus gelernt habe?

+ Dass Verstehen wollen wichtiger ist, als das mehrere Fremdsprachen zu sprechen.

+ Dass es hilfreiche Apps gibt, die uns beim ersten Annähern und Sprachbarrieren überwinden helfen. Eine nette Begrüßung in der jeweiligen Landessprache bricht den ersten Bann und öffnet Türen für Mehr.

+ Irgendwo findet sich immer jemand, der beim Übersetzen gerne behilflich ist. Und schon hat man statt einem Gesprächspartner zwei.
Sie haben Bedenken fremde Menschen anzusprechen? Dann denken Sie einfach daran, dass wir Menschen grundsätzlich gerne helfen wollen.

+ Das Wichtigste zum Schluss! Es gibt eine Sprache die wir alle verstehen – die Sprache des Herzens. Dazu zähle ich das Verstehen wollen, das Zuhören, sich füreinander interessieren, kleine Gesten, ein Lächeln, die Hilfsbereitschaft unter Fremden. Diese Sprache ist mir auf meinen Reisen, in jedem Land, in jeder Hauptstadt, immer wieder begegnet. Sie hat mich inspiriert zu meinem Buchtitel ‚Im Herzen Europäer.‘ Weil ich überzeugt bin, dass es an der Zeit ist, sich europäisch zu fühlen.

Wer nun Lust bekommen hat, seine Sprachkenntnisse aufzufrischen, findet hier weitere Informationen dazu.
Ein schöner Artikel über Sprache als Zuhause, findet sich hier.
Eine europaweite Übersicht über die Veranstaltungen zum Tag der Sprachen hier
Und wer Lust hat: „Tkellem lili.“ Dies ist nämlich ein Blog, der vom miteinander sprechen lebt! Und den es nicht gäbe, ohne die vielen Menschen, die unterwegs mit mir gesprochen haben.

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